19 Philippinische Eigenheiten

[UPDATE 1.3.2016] – [UPDATE 4.6.2018]
Die Filipinos sind ein Volk mit speziellen Eigenheiten. Für einen Reisenden unter Umständen nur schwer nachvollziehbar. Viele dieser Gewohnheiten sind tief verwurzelt in Mimik, Gestik und der Sprache. Für die Filipinos genau so alltäglich wie für Reisende von fernen Ländern so unverständlich. Deswegen habe ich hier eine kleine Sammlung mit 15 19 Philippinischen Eigenheiten zusammengetragen.

Die Philippinischen Gewohnheiten in Gestik, Mimik oder Sprache faszinieren mich immer wieder aufs Neue. Es sind Eigenheiten und Gewohnheiten, die für die meisten von uns nur schwer verstädlich sind. Für Filipinos aber total normal. Selbst ich habe die eine oder andere Gewohnheit so übernommen, dass ich manchmal über mich selber Staune.

Diese kleine Sammlung mit 15 19 Philippinische Eigenheiten kann echt helfen bei einer Reisevorbereitung. Denn In welcher Situation ihr auch seid, bleibt Höflich und Zurückhaltend. Ganz egal ob ihr das Verhalten des Philippinischen Gegenbübers versteht, oder eben nicht. Die Stoische Ruhe eines Filipinos ist manchmal eine Herausforderung, an der man seine eigenen Grenzen in Toleranz und Geduld messen kann.

#1 – Der Lippenspitzer

Wenn Ihr einen Filipino fragt, wo er hin will dann spitzt er nur die Lippen und zeigt damit in eine Richtung ohne etwas zu sagen. Das ist die Art und Weise wie er euch sagt, er geht dorthin…wohin das auch immer ist. Und die Herausforderung beginnt, wenn du den Flieger Verlässt. Lest einfach mal, was sich hier währen meinen vielen Besuchen in den Philippinen so angesammelt hat.

#2 – Der Augenbrauen Hüpfer

Seid nicht böse, wenn ihr von einem Filipino Zustimmung erwartet. Denn die hat er euch schon gegeben, indem er eine Millisekunde mit den Augenbrauen gehüpft hat und damit seine Zustimmung gegeben hat (dazu muss er euch nicht mal ansehen – wenn ihr Pech habt schaut er nicht mal in eure Richtung)

#3 – Der Handwelder

Auf der Strasse oder in Geschäften, überall sieht man Leute die mit der rechten Hand die Luft „Kraulen“. Handfläche oben, Finger in Rhythmischen Bewegungen zu sich ziehend. Das ist das Zeichen für „komm her“ oder „geh weg“. Je nachdem in welcher Situation ihr euch befindet.

#4 – Der Handdreher

Im Gegensatz zum Handwelder sind die Finger der Hand gespreizt und die Hand zeigt etwas nach oben. Das Ganze dann noch kurz „drehschütteln“ bedeutet: Alles Leer, das haben wir nicht, gibt’s nicht mehr, haben wir nicht…

#5 – Der oder die Stumme

Wenn ihr eine Antwort erwartet aber keine kommt bedeutet das meistens dasselbe wie oben: haben wir nicht, will ich nicht… (Warum auch sich die Mühe machen etwas zu sagen wenn’s eh nichts mehr gibt)

#6 – Das Rechteck in der Luft

Um die Rechnung im Resto zu bezahlen musst du die Bedienung nicht extra an den Tisch bestellen. Sucht Blickkontakt und mach mit der rechten Hand ein Rechteck in der Luft, so dass sie es Sieht. Das ist das Zeichen für „Rechnung Bitte“.

#7 – Der „Ja“ Sager

„JA“ kann vieles bedeuten in den Philippinen. Wenn du Glück hast ist es wirklich JA. Es kann aber genauso gut „Vielleicht“ oder „ich weiss es nicht“ oder sogar „Nein“ bedeuten. Gegenüber dem Westlichen Besucher will man sich schliesslich nicht in ein schlechtes Licht rücken.

#8 – Der oder die Lächler/in

Bedeutet mehr oder weniger dasselbe wie der „Ja“ Sager. Einfach Lächeln und warten. Es wird sich alles in Wohlgefallen auflösen.

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#9 – Termine

Immer eine Stunde später. Wenn nichts genau Abgemacht wird kann’s auch schon mal einen Tag später sein. Darüber regt sich hier ausser den Langnasen niemand auf. Das Leben geht weiter und „Bukas“ (Morgen) ist auch noch ein Tag.

#10 – Tanken an der Tanke

Keiner Steigt aus dem Wagen oder Schaltet den Motor aus. Die Klimaanlage muss schliesslich kühlen. Und der Tankwart kommt zum Fahrer und fragt wieviel Benzin er füllen soll. Fenster kurz auf, und gleich wieder zu.

#11 – Etwas zum Busfahren

In allen Bussen werden die Tickets immer im Bus Verkauft. (Sucht also keine Kasse für Tickets). Das geht so: kurz nach Abfahrt des Busses (oder auch kurz vor Ankunft, je nachdem ob es noch Zwischenhalte gibt unterwegs) kommt der Ticket-Kassier und fragt nach eurem Ziel. Das war’s dann auch schon. Tickets…Zahlen…wie wo wann??
Den Kassier seht ihr erst wieder, wenn er eure Tickets gelocht hat. Danach verschwindet er wieder. Zeit für dich, die Tarife zu studieren und das Geld möglichst genau bereitzuhalten. Der Schaffner kommt zurück zum einkassieren. Dieses hin und her scheint nicht sehr effektiv bei einem voll besetzten Bus. Nicht hinterfragen, das ganze hat System, ein Philippinisches System.

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Na, wer findet raus was diese Busfahrt kostet?

 

#12 – Die Bakla-Sager (meistens Kinder)

„Bakla“ ist das Philippinische Wort für „Schwule“ oder Transvestiten. In den Philippinen sind diese Randgruppen allgegenwärtig und stak in den sozialen Strukturen eingebunden. „Baklas“ sind berühmt für ihre Gebleichte Haut – deswegen der Vergleich mit uns Bleichgesichtern. Die Kinder finden das Lustig und werfen uns das schon mal an den Kopf. Lächeln und ignorieren ist das Beste.

#13 – Hey Jo

Aufgrund der Amerikanischen Besatzung waren in diesen Zeiten überall in den Philippinen amerikanische Soldaten anzutreffen. Da sich die Filipinos nicht jeden Namen merken wollten, nannten Sie kurzerhand alle Amerikaner „JO“.
Und Europäer sehen den Amerikanischen Staatsbürgern ja nicht unähnlich. Also einfach Augen zu und durch, oder ein Freundliches „ku musta ka?“ zurück (Wie geht es dir?) zaubert den Leuten ein Lächeln ins Gesicht – du wirst sehen.

#14 – Bestellung in einem Restaurant

Du willst etwas zu trinken bestellen, und fragst die Bedienung: „haben sie mir eine Cola“? Die Bedienung wird mit einem Freundlichen „Ja“ Antworten. Damit werdet ihr auf euer Getränk warten bis zu St. Nimmerleinstag. Für eine erfolgreiche Bestellung rate ich folgende Formulierung: „Bitte bringen Sie mir eine Cola“. Womit es klar ist was ihr wollt und die Bedienung einen Auftrag hat.

#15 – Jeepney Fahren

Bei kurzen Strecken immer gleich beim Hintereingang Platz nehmen, auch wenn sämtliche Nachfolgenden Passagiere über eure Füsse Stolpern. Es ist normal. Zum Bezahlen der Fahrtkosten das Geld dem Nachbarn geben. Dieser Reicht es weiter bis zum Fahrer. Zurück kommt Wechselgeld auf demselben weg. Zum Halten einfach an die Karosserie klopfen oder „Para“ (stopp) rufen.

#16 – Sprudel aus der Tüte

Den Sinn habe ich nie gesehen. Eine Sprudelflasche wird geöffnet und in eine Tüte umgeschüttet. Ein Strohalm dazu und fertig. Warum zum Teu%?% kann man dann nicht die Flasche nehmen?

#17 – Respekt gegenüber Älteren

Mit „Mano Po“ wird die Ältere Person Gefragt, ob man ihre Hand nehmen darf (Mano Po = Ihre Hand Bitte) Daraufhin führt man die Hand-Aussenseite der Älteren Person an seine Stirn. Diese Geste ist in den Philippinen allgegenwärtig und drückt den Respekt aus gegenüber Älteren Personen. (Der Dank für diesen Tipp geht an unsere Fleissige Kommentatorin Kristina)

#18 – „Kuja“ und „Ate“

Kuja (Bruder) und Ate ( Schwester) sagt man eigentlich zu allen die älter sind, oder zu Leuten dessen Namen man nicht kennt. Z.b. Dir hilft jemand aus dem Jeepney/Boot dann sagst du Thank you kuja. Oder Salamat kuja. Das heißt übersetzt :Danke Bruder. Dein gegenüber wird es schätzen. (Auch dieser Tipp geht an Kristina)

#19 – Tabo Tabo

Eine Toilette ohne Spülung, eine Dusche ohne Wasser, eine Küche ohne Wasserhahn. Das Zauberwort heisst Tabo. Diesen kleinen aber ungemein Praktischen Helfer findest du überall, wo es Eimer mit Wasser gibt. Ein Tabo ist ein kleiner Behälter zum Wasserschöpfen. Duschen: Tabo aus einem mit Wasser gefüllten Trog oder Eimer Füllen und über dem Kopf langsam leeren, ersetzt den Duschkopf (Warmes Wasser kann man sich dabei gerne denken). Selbst die (oft fehlende) Toilettenspülung wird mit dem Tabo einfach aber Wirkungsvoll ersetzt. Und den Abwasch unter Fliessend Wasser zu machen ist was für Mimimi. Mit dem Tabo geht das mit etwas Übung schnell und effizienter. (Auch dieser Tipp geht an Kristina, vielen Dank)

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Du kennst noch andere Gewohnheiten die unbedingt mit auf die Liste müssen? Ich werde die Liste gerne ergänzen, wen du mir einen Kommentar mit deinem Vorschlag schickst.

Mehr von mir findest du auch auf Facebook, Instagram, Twitter, Pinterest und Youtube

14 Gedanken zu “19 Philippinische Eigenheiten”

  1. Da musste ich jetzt mal lachen 😀 Sehr interessant und hilfreich, falls ich bald endlich mal auf die Philippinen komme 🙂 Vorschläge für die Liste habe ich demnach nicht, aber wenn sich das ändert, sage ich Bescheid!

    Liebe Grüße!

  2. Haha großartig und wahrscheinlich unglaublich hilfreich (sollte ich es endlich ml auf die Philippinen schaffen)! Es ist ja schon beeindruckend wie sehr sich Körpersprache und Gestiken zwischen Ländern unterschieden können.

    Liebe Grüße
    Laura

    • Hi Laura
      Als ich das erste mal in den Phils war hatte ich mich zuerst echt gewundert, wie die Leute da so drauf sind. Mit der Zeit gewöhnte ich mich aber daran. Ich habe zum Teil schon von Freunden gehört, dass ich selber schon einige Angewphnheiten angenommen hätte – ganz der Filippino eben. Na ja, so ganz werd ich diese Eigenheiten nie Verstehen, dazu bin ich doch zu sehr Europäer.
      VG, Urs

    • Liebe Elke
      Danke für deine Kommentar.
      Die Liste ist leider noch lange nicht vollständig. Aber mit diesen Tipps bist du erstmal für das Gröbste gewappnet 😉
      VG, Urs

  3. Urs wunderbar Deine Tipps! Ich musste gleich am Anfang laut lachen als Du beschrieben hast wie sie die Richtung anzeigen und das mit dem Rechteck in der Luft machen um die Rechnung zu bestellen finde ich genial. Morgen treffe ich eine junge Frau aus den Philipinen und werde sie nach anderen Zeichen fragen…
    Sei gegruesst aus Katalonien

    • Hi Ines
      Danke für deine Kommentar. Die Bräuche und Sitten sind Anfangs schon recht gewöhnungsbedürftig. Aber mit der Zeit fragte ich mich, warum diese Dinge nicht auch in Europa so gehandelt werden? ist doch schliesslich eindeutig, ein Rechteck in die Luft zu malen wenn du in einem Resto sitzt..oder nicht?
      LG, Urs

  4. Wie wäre es noch mit Nr. 17… Respekt älteren gegenüber. Z.b. „bless“ die Kinder gehen zu ihrer Lola (Oma) oder Lolo (Opa) und nehmen die Hand und halten diese an ihre Stirn. Dies geschieht zur Begrüßung und soll den Respekt vor den älteren zeigen. Auch ich tuhe das wenn ich viel ältere Familienmitglieder treffe.

    Nr.18 „Kuja“ und „AtE“
    Kuja (Bruder) und Ate ( Schwester) sagt man eigentlich zu allen die älter sind oder zu Leuten dessen Namen man nicht kennt. Z.b. Dir hilft jemand aus dem Jeepney/Boot dann sagst du Thank you kuja. Oder Salamat kuja. Das heißt übersetzt :Danke Bruder. Dein gegenüber wird es schätzen.

    • Vielen dank für diese super Vorschläge, Kristina.
      Ich sehe du kennst dich bestens aus mit den Sitten der Philippinen. Die Vorschläge werde ich umgehend in den Artikel aufnehmen. LG, Urs

  5. …..vielleicht was zum Thema Tabo? Hatte mich die ersten Tage echt gewundert was dieser kleine plastikeimer neben der Toilette zu bedeuten hatte 😉

    • Hahaha.. ja, auch das werde ich sehr gerne übernehmen. Spätestens wenn die Toilettenspühlung fehlt, studiert man über diese komischen Dinger und deren Einsatzzweck nach 😉
      Danke dir, liebe Kristina.
      LG, Urs

  6. Hey Urs, ich will es auch mal in Deinen Blog schaffen. Wenn Du das Rechteck im Restaurant erwähnst, solltest Du dazusagen, dass das nicht zu groß sein sollte. Denn zeichnet man ein großes Rechteck in die Luft, kommt nicht die Rechnung sondern die Speisekarte.

    In vielen ländlichen Regionen – also fast überall – wird man das Gefühl haben, dass die Leute muffelig sind und nicht grüßen. Der Eindruck ist falsch. Sie grüßen oft nur mit einem Zucken der Augenbrauen oder sonstigen Teilen des Gesichts. Oft fast unmerklich.

    Besonders ist vielleicht noch das „Bahala ka“ oder „Bahala ikaw“ z. B. bei Preisverhandlungen beim Tricyclefahrer oder auch in Geschäften. Es bedeutet „Up to you“ (ich kenne keinen ordentlichen deutschen Ausdruck dafür) und der es ausspricht möchte entweder möglichst viel erzielen und hofft auf ein zu hohes Angebot oder will es einem tatsächlich netterweise für jeden Preis überlassen, den man für fair und angemessen hält.

    Anders als in europäischen Ländern wird man von Filipinos oft mit „Kain na po“ zum Mitessen aufgefordert. Das ist verwurzelt in dem Umstand, dass nicht alle genug Essen haben. In vielen Armenvierteln ist man auf solche Aufforderungen angewiesen, um zu überleben. Man kann das durchaus annehmen, sollte die Freundlichkeit aber nicht überstrapazieren. I. d. R. ist es eine reine Höflichkeitsfloskel. Nimmt man die Einladung an, sollte man sich nicht lumpen lassen und z. B. ein paar Softdrinks oder andere Getränke ordern. Das wird den Gastgeber freuen.

    Weiterhin zum Essen sollte man erwähnen, dass Filipinos sehr sensibel hinsichtlich manchen Scherzen ist, die in Europa gängig sind. Sagt man z. B. „Oh Mann – isst Du immer noch“ oder „Bist Du immer noch nicht satt“ wird das auf den Philippinen oft als Beleidigung aufgefasst.

    Ein paar mehr Dinge stehen übrigens in Kuya Sam’s Philippinen FAQ, dass es als E-Book in allen Buchhandlungen (auch online) zum Spottpreis zu erwerben gibt 😉

    • Welche ehre, der SAM höchstpersönlich 😉 Danke für die tollen Inputs. Wenn das so weitergeht, veröffentliche ich bald mein eigenes E-Book. Thema: Philippinische Eigenheiten 😉
      LG, Urs

  7. Hallo Leute
    Nach 12 jahren, die ich nun schon auf den Philippinen lebe, kann ich nur sagen, dass alle Tips richtig sind!
    da waer zum Beispiel noch: Tara na, lass Uns gehen oder die vielen Abkuerzungen, wie zum Beispiel: musta K, fuer wie geht es Dir, richtig: Kumusta Ka.
    oder der gebrauch fremder Redewendungen. so haben Sie den Slogan It’s more Fun in the Philippines, der Schweizer Touristenwerbung der 60ziger Jahre abgeschaut!
    Palito, alias Erwin Altenburger

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