4 Jahre Philippinen – und immer noch hier!

Wenn mir damals jemand gesagt hätte, wie viele Dinge in diesen vier Jahren passieren würden, hätte ich wahrscheinlich nur gelacht. Oder vielleicht gleich noch einen zweiten Koffer gepackt.

Auswandern klingt zunächst ziemlich einfach: Koffer packen, Flug buchen, neues Leben anfangen. In der Realität sieht das anders aus.

Nach vier Jahren weiß ich: Auswandern ist kein Dauerurlaub. Es ist eher ein Dauer-Abenteuer – manchmal mit Palmen, manchmal mit Baustellenstaub und manchmal mit einem Behördenformular, von dem man nicht weiß, warum man es eigentlich braucht.

Trotzdem möchte ich die Entscheidung nicht missen.

🚗 Das erste Auto – und die Erkenntnis: Hier fährt jeder irgendwie

Irgendwann kommt der Punkt, an dem man als Auswanderer merkt: Ein eigenes Auto wäre ganz praktisch.

Also beginnt die Suche.

In Europa würde man wahrscheinlich verschiedene Fahrzeuge vergleichen, Probefahrt machen, Anschliessend beim Händler einen Kaffee trinken.

Hier läuft das etwas anders.

Man findet ein interessantes Auto, schaut es sich an und denkt: „Sieht doch gut aus.“ Dann kommt die Probefahrt. Und plötzlich stellt man fest, dass das Auto Geräusche macht, die man bisher nur aus Horrorfilmen kannte.

Aber irgendwann findet man das passende Fahrzeug. Und dann beginnt das nächste Abenteuer: **Strassenverkehr. Wer aus Europa kommt, braucht am Anfang manchmal ein paar Minuten, um das Verkehrssystem mental zu verarbeiten.

Motorräder kommen gefühlt aus allen Richtungen, Tricycles haben ihre eigenen Regeln, Jeepneys halten dort, wo gerade jemand aussteigen möchte, und manchmal scheint es, als würde eine rote Ampel eher als freundliche Empfehlung betrachtet.

Nach einiger Zeit gewöhnt man sich daran.

Man fährt vorsichtiger, schaut nicht nur nach vorne, sondern irgendwie gleichzeitig nach vorne, hinten, links und rechts. Und man entwickelt eine neue Fähigkeit:

Man erkennt am Fahrverhalten eines Motorrads bereits drei Sekunden vorher, dass der Fahrer gleich etwas völlig Unerwartetes machen wird.

🛂 13A Visa – Willkommen im Land der Formulare

Ein weiteres großes Thema nach der Auswanderung: das Visa.

Das 13A Visa kann für ausländische Ehepartner eines philippinischen Staatsbürgers eine interessante Möglichkeit sein, langfristig auf den Philippinen zu leben.
Aber auch hier gilt: Auswandern bedeutet nicht, dass man plötzlich keine Bürokratie mehr hat. Sie sieht nur anders aus.

Dokumente sammeln, Kopien machen, Formulare ausfüllen, Termine organisieren und dann feststellen, dass man noch eine Kopie von einem Dokument braucht, von dem man gar nicht wusste, dass es existiert. Man lernt dabei vor allem eines:

Geduld.

Und wenn man glaubt, jetzt endlich alles erledigt zu haben, kommt garantiert noch jemand mit: „Sir, you need one more document.“

Natürlich. Warum sollte es auch anders sein?

🏠 Hausbau – mein persönlicher Abenteuerpark

Noch spannender wird es beim Thema Hausbau.
Ich hatte relativ schnell die Idee: Warum nicht selbst bauen? Heute weiss ich:

Hausbau auf den Philippinen ist ein bisschen wie ein Strategiespiel – nur dass man dabei echtes Geld verwendet.

Materialien bestellen, Handwerker koordinieren, Baufortschritt kontrollieren und ständig Entscheidungen treffen. Und natürlich gibt es immer Dinge, die anders laufen als geplant. Der Bau sollte eigentlich fertig sein. Dann fehlt plötzlich etwas. Der nächste Termin wird vereinbart.

  • Dann regnet es.
  • Dann fehlt wieder etwas.
  • Dann kommt jemand und sagt: „Tomorrow, sir.“

Man lernt irgendwann, dass „tomorrow“ nicht unbedingt bedeutet, dass etwas morgen passiert. Es bedeutet eher: „Wir sprechen darüber irgendwann in der Zukunft.“ Trotzdem ist es ein tolles Gefühl, wenn man am Ende vor einem Gebäude steht und sagen kann: Das habe ich mit aufgebaut.

🏢 Apartmentbau – aus einer Idee wird ein Projekt

Nachdem man einmal mit dem Bauen angefangen hat, ist man offenbar noch nicht geheilt.
Also kommt die nächste Idee: Apartments. Warum eigentlich nicht? Schliesslich kann damit langfristig etwas aufbauen werden, das zusätzliche Einnahmen ermöglicht.

Theoretisch klingt das sehr einfach. Praktisch gibt es hundert Fragen:
Wie gross sollen die Apartments werden?

  • Welche Ausstattung?
  • Welche Materialien?
  • Welche Bauweise?
  • Wie hoch sind die laufenden Kosten?
  • Wer kümmert sich später darum?

Und vor allem: Warum ist die Rechnung schon wieder höher als ursprünglich geplant?

Ich glaube, diese letzte Frage gehört weltweit zum Grundwissen des Hausbaus.

Hier stellen wir unsere Bauprojekte im Blog vor. 

🚵 Freizeit – für mich ganz klar: Fahrrad

Einer der schönsten Teile meines Lebens hier ist die Freizeit. Besonders das Mountainbike und Gravelbike haben es mir angetan. Wenn ich genug von Baustellen, Papierkram oder anderen organisatorischen Dingen habe, gibt es eine ziemlich einfache Therapie:

Fahrrad nehmen und losfahren.

Von Angeles City aus gibt es unglaublich viele Möglichkeiten. Mal geht es entlang eines Flusses, mal über Schotterwege, durch kleinere Orte oder Richtung Berge. Und dann gibt es natürlich die philippinische Regenzeit. Man startet bei Sonnenschein und denkt: „Heute wird eine schöne, trockene Tour.“

Eine Stunde später steht man mitten im Regen. Aber genau das macht für mich einen Teil des Abenteuers aus. Ein bisschen Schlamm gehört schliesslich zum Mountainbiken.

Und wenn man nach einer solchen Tour völlig verdreckt nach Hause kommt, sieht man wenigstens sofort, dass man etwas erlebt hat.

Schon gewusst? 🏔️🚵‍♂️

Meinen MTB-Abenteuern auf den Philippinen habe ich eine eigene Facebook-Seite gewidmet: Angeles City Bicycle Riders. Dort dreht sich alles ums Mountainbiken, Gravelbiken, gemeinsame Touren und natürlich um die schönsten Trails rund um Angeles City.

Auch auf YouTube findest du zahlreiche Videos von meinen Touren unter Bicycle Philippines. Wenn du selbst Lust auf ein bisschen Abenteuer hast, kannst du meine Touren gerne als Inspiration und Vorlage nutzen. Einfach mein Komoot– oder Strava-Profil besuchen, eine passende Tour auswählen und losfahren.

Und wer weiss – vielleicht fahren wir die nächste Tour ja einfach gemeinsam! 😎

Wenn du ein MTB oder Gravelbike hast und Lust auf neue Trails und Abenteuer hast, können wir gerne einmal zusammen losziehen. Gerade rund um Angeles gibt es jede Menge interessante Strecken, die darauf warten, entdeckt zu werden.

Du überlegst noch, dir ein Bike anzuschaffen? Auch kein Problem. Hier in Angeles gibt es zahlreiche Bike-Shops mit einer grossen Auswahl und bekannten Bikemarken. Ein passendes Bike zu finden, ist also gar nicht so schwierig.
Also: Helm auf, Bike schnappen und ab ins Abenteuer! 

Angeles City Bicycle rider logo

🌧️ Regenzeit – wenn aus einer Fahrradtour ein Abenteuer wird

Die Regenzeit verdient eigentlich ein eigenes Kapitel.

In Europa bedeutet Regen häufig: Jacke anziehen und trotzdem schlechte Laune bekommen.

Hier kann Regen eine völlig andere Dimension erreichen. Innerhalb kurzer Zeit können Wege schlammig werden und kleine Wasserläufe plötzlich deutlich grösser aussehen. Für mich als Mountainbiker bedeutet das:

Die geplante Route ist eher eine Empfehlung.

Manchmal muss man umdrehen. Manchmal sucht man einen anderen Weg. Und manchmal fährt man einfach weiter und denkt: „Das wird schon.“ Bis zu dem Moment, an dem man bis zu den Knöcheln im Schlamm steht. Dann weiss man: Es wird nicht schon. Zahllose Anderungen der Routen sprechen fuer sich und man gewoehnt sich dran.

Aber genau diese Situationen bleiben später in Erinnerung.

💰 Finanzen – das unterschätzte Thema

Einer der grössten Fehler bei einer Auswanderung ist meiner Meinung nach die Annahme: „Auf den Philippinen ist alles billig.“

Nein.

Manche Dinge sind günstig. Andere nicht.

Und manche importierten Produkte können einen Preis haben, bei dem man sich fragt, ob sie persönlich aus Europa eingeflogen wurden. Die Lebenshaltungskosten können niedriger sein als in Europa, aber man sollte trotzdem vernünftig planen.

Eine finanzielle Reserve ist meiner Meinung nach extrem wichtig. Denn irgendetwas geht immer kaputt.

  • Auto.
  • Haus.
  • Klimaanlage.
  • Wasserpumpe.
  • Elektrik.

Und natürlich genau dann, wenn man gerade dachte: „Diesen Monat habe ich endlich etwas gespart.“

Vier Jahre später – was würde ich heute anders machen?

Nach vier Jahren sieht man viele Dinge anders als am ersten Tag. Was wuerde ich anders machen:

1.Ich würde noch mehr recherchieren!

Vor der Auswanderung liest man viel. Aber egal, wie viel man liest – manche Dinge versteht man erst, wenn man tatsächlich hier lebt. Heute würde ich noch stärker versuchen, Erfahrungen von Menschen zu bekommen, die bereits mehrere Jahre hier leben. Nicht nur von Leuten, die seit drei Monaten hier sind und gerade völlig begeistert schreiben:

„Best decision ever!“

Nach drei Monaten ist fast jeder begeistert. Interessant wird es nach drei Jahren.

2. Ich würde finanziell noch konservativer planen

Nicht mit dem rechnen, was theoretisch möglich ist. Sondern mit dem, was realistisch ist. Und immer eine Reserve einplanen. Auswandern ohne finanzielle Reserve ist ungefähr wie Mountainbiken ohne Ersatzschlauch: Es kann gut gehen – aber wenn nicht, wird es unangenehm.

3. Ich würde beim Bauen noch genauer hinschauen

Heute würde ich manche Dinge anders planen und bestimmte Entscheidungen früher treffen. Vor allem würde ich noch mehr Zeit in die Planung investieren. Denn Änderungen während des Bauens können teuer werden.

Und „Das machen wir später“ ist ein Satz, der beim Hausbau gefährlich werden kann.

4. Ich würde mich noch weniger über Dinge ärgern, die ich nicht ändern kann

Man kann sich jeden Tag darüber aufregen, warum etwas nicht so funktioniert wie in Europa. Oder man akzeptiert: Ich bin jetzt hier.

Das bedeutet nicht, dass alles besser ist. Es bedeutet einfach, dass man lernen muss, mit den örtlichen Gegebenheiten zu leben. Und manchmal hilft Humor dabei enorm.

5. Ich würde mehr geniessen

Das klingt banal, ist aber wichtig.

Man kann sich ständig mit Papierkram, Reparaturen, Kosten und Problemen beschäftigen. Oder man steigt aufs Fahrrad und fährt los. Manchmal muss man einfach raus.

  • Ein Sonnenuntergang.
  • Eine lange Fahrradtour.
  • Ein kaltes Getränk nach einer schweisstreibenden Fahrt.
  • Ein spontaner Ausflug.
  • Ein Gespräch mit Freunden.

Das sind am Ende die Dinge, an die man sich erinnert.

Mein persönliches Fazit nach vier Jahren

Vier Jahre Auswandern haben mir gezeigt, dass man nicht einfach nur seinen Wohnort verändert.

Man verändert sein komplettes Leben.

Man muss lernen, anders zu planen, anders zu denken und manchmal auch einfach Dinge zu akzeptieren. Es gibt gute Tage. Es gibt schlechte Tage. Es gibt Tage, an denen alles funktioniert. Und es gibt Tage, an denen man sich fragt:

„Warum bin ich eigentlich ausgewandert?

Aber dann sitzt man am Abend draussen, schaut in den Sonnenuntergang, hört den Regen auf dem Dach oder plant die nächste Mountainbike-Tour. Und dann weiß man wieder, warum. Ich bereue die Entscheidung nicht.

Im Gegenteil. Ich würde es wieder tun. Aber mit dem Wissen von heute wahrscheinlich etwas besser vorbereitet. Denn eines habe ich nach vier Jahren gelernt:

Auswandern bedeutet nicht, dass die Probleme verschwinden, man bekommt einfach andere.

Aber dafür bekommt man auch neue Chancen, neue Erfahrungen, neue Abenteuer – und jede Menge Geschichten zu erzählen. Und genau deshalb geht dieses Abenteuer weiter.

Vier Jahre sind vorbei. Mal sehen, was die nächsten vier bringen.

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1 Kommentar zu „4 Jahre Philippinen – und immer noch hier!“

  1. Hallo Urs,ja Du hast alles sehr treffend geschildert.Bei uns sind’s zwar nur etwas mehr als 2 1/2 Jahre,aber auch wir haben vom Bauen,Führerausweis bis zum 13A Visa alles schon erledigt. Erwähnenswert wäre noch,dass Du in einer Gegend lebst,wo praktisch alles erhältlich ist. Es vergeht fast kein Monat wo wir auch nach AC fahren um Kollegen zu treffen, Autoservice,TMC oder in A-Bakery und Swiss Chalet wieder mal europäische Kost zu genießen.Hier bei uns bläst der Wind noch ein wenig anders und gute Hardware und Handwerker sind Mangelware und der nächste SM fast 2h entfernt.Das gilt auch für eine akzeptable medizinisch Versorgung,welche jeder Auswanderer miteinbeziehen sollte. Alle diese Überlegungen haben uns dazu bewogen unseren Wohnsitz hier aufzugeben und früher oder später mal in Deine Gegend zu zügeln.Evtl. treffen wir uns dann ja einmal

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