BILDERGESCHICHTEN Nummer Zwei – wie 1993 alles Begann

BORACAY. Auf dieser kleinen Insel, 10000KM von Europa entfernt, hat 1993 alles begonnen. Meine allererste Reise 1993 in die Philippinen habe ich auf diesem Wunderbaren Fleckchen Erde Verbracht. Damals ein weisser Fleck auf allen Landkarten, ist Boracay inzwischen bekannt wie ein bunter Hund. Auch ich hatte noch nie zuvor von Boracay oder von den Philippinen gehört. Mir war das Reiseziel damals eigentlich auch ziemlich egal.

Ich wollte einfach weg aus dem Europäischen Winter, irgendwohin wo es viel Wind zum Windsurfen gibt und wo Wasser und Luft schön warm war. Der Reiseprospekt versprach eben dieses in vielen schönen bunten Bildern. BORACAY, Das Windsurfparadies. Gesehen – Gebucht! Pauschal 3 Wochen Windsurfen inklusive Material, Unterkunft und Verpflegung.

Die Reise klappte bestens. Damals gab es in Caticlan noch keinen Flughafen. Die einzige Reiseroute damals war mit PAL von Manila nach Kalibo. Anschliessend mit dem Jeepney die damals noch ungeteerte Strasse bis Caticlan. Diese Fahrt dauerte damals gut 2 bis 3 Stunden. Entsprechend erschöpft und Staubig kam man in Caticlan an, wo die Überfahrt direkt an den White Beach folgte.

Endlich in Boracay Angekommen, mussten ich erfahren, dass die gebuchte Unterkunft an der White Beach ein paar Tage zuvor einem Feuer zum Opfer gefallen war. Und darin auch das Windsurf Material, das ich gebucht hatte. Kurzfristig und sehr unkompliziert wurde umgebucht in ein Wunderschönes Resort, das es schon lange nicht mehr gibt. Selbst den Namen habe ich vergessen, leider. In den anschliessenden 3 Wochen dort habe ich viele gute Freunde gefunden und ein Wunderbare Zeit verbracht. Viel Windsurfmaterial war zwar Verbrannt an der White Beach. Der Leihshop mit noch intaktem Material befand sich zum Glück genau auf der anderen Seite der Insel, an der Bulabog Beach. So mussten zwar alle Gäste das wenige noch vorhanden Material Teilen. Da das Windsurfen damals noch in den Kinderschuhen steckte, gab es aber nie Engpässe mit dem Leihmaterial.

Damals war Boracay noch weitgehend vom Massentourismus verschont. Es gab einige Resorts und ein paar einfache Nipahat Unterkünfte. (Nipahat sind aus aus reinem Naturmaterial erbaute Hütten). Keine „Mainroad“ wie heutzutage und keine „Shopping Meilen“. Strom und fliessend Wasser war Luxus. Sämtliche Wege hinter der Whitebeach waren zugewachsen und nur als Pfade zu erkennen, welche als Labyrinth bis zur Bulaabog Beach führten. Eine Massage am White Beach kostete 50 Peso….Ey, WTF?

Mein erster Gang zum Bulabog Beach. Im Resort kurz den Weg beschrieben bekommen, bin ich los, um so schnell wie möglich aufs Board zu kommen. Dieser Weg war ein Abenteuer, das ich nie mehr vergessen werde. Durch verschlungene Wege, rechts, links, dann wieder Rechts. Geradeaus, Sackgasse, zurück und Links. Unterwegs überall Einheimische in einfachsten Hütten, die freundlich zuwinkten und sich wohl dachten, was der hier will.

An jeder Ecke Suhlende Sauen, Hühner die gackernd meinen Weg kreuzten. Und immer wieder Palmen, Sträucher, Büsche und Wurzeln. Kein Beton, kein Teer, kein Motorenlärm oder Stromkabel. Stille und Ruhe begleitete mich auf dem Verschlungenen Weg an den Bulabog Beach. Einzig der Wind in den Palmkronen war zu hören. Und mit jedem Schritt wurde das Rascheln lauter und lauter.

Unvermittelt teilten sich die Sträucher und ich Stand am Strand. Links und rechts nur Weisser Sand, unterbrochen mit viel angeschwemmten Kokosnüssen. Hinter mir dichter Dschungel. Der Blick auf das Wasser vor mir war ein Blick in meine Zukunft. Stahlblaues Wasser, Menschenleer und vom sehr Starken Wind zu vielen kleinen Windwellen geformt. Weit draussen Donnerten gewaltige Wellen an das Riff.

Während ich diese Zeilen schreibe ist es als spüre ich wieder die leichten Vibrationen am Strand bei jeder Welle die weit draussen am Riff bricht.

Durch die Vielen Wege hatte ich mich etwas Verlaufen. Aber der Bulabog Beach ist nicht sehr gross und schon bald fand ich die Mietstation. Damals eines der einzigen Gebäude an der Bulabog Beach. Schnell war ein Board und Segel gefunden. Und was ich damals an diesem Tag auf dem Wasser erlebte stellte alles was ich bisher erlebte und erwartete in den Schatten.

Als Windsurfer der einzige auf dem Wasser, die untergehende Sonne am Strand hinter den Palmen. Hinter dem Rücken die Donnernden Wellen auf dem Riff. Der Wind Stark, Warm, Konstant. Das Wasser so klar als wäre es nicht vorhanden. Es war wie im Traum. Ich zog in der Bucht von Bulabog die Gischt hinter dem Board her und war wie in Trance. Und so war jeder einzelne Tag in diesen ersten 3 Berauschenden Wochen auf Boracay.

 

Der Virus hatte mich gepackt, Boracay, die Philippinen liessen mich seitdem nicht mehr los.

Seitdem zog es mich jedes Jahr wieder zurück auf diese kleine Insel-Perle in den Visays. Öfters sogar mehrmals Jährlich. Als Surflehrer verbrachte ich auch schon 6 Monate auf Boracay. (Eine gute Geschichte, vielleicht mache ich davon mal einen Beitrag hier)

LEIDER

Meine Erinnerungen und das was war, und was aus Boracay bis heute geworden ist, decken sich nicht mehr. Wo sind all die Palmen, die Irrwege im Dschungel, die gemütlichen Nipahats und kleinen Resorts? Ich möchte an dieser Stelle einen Aufruf machen, der auf einem Reiseblog eigentlich ein no-Go ist. Mir persönlich aber sehr am Herzen liegt.

BITTE LASS BORACAY AUS AUF DEINER REISE

Dieses Juwel wird seit vielen Jahren vom Geld der Regierung und der Touristen so zerstört, dass es inzwischen schon nicht mehr wiederzuerkennen ist.
Es ist nur eine kleine Insel, mit längstens nicht (mehr) genug Eigen Ressourcen für diese Flut von Menschen. Alles, wirklich alles kommt von aussen.
Frischwasser und Strom kommen von der Nachbarinsel Panay. Alle Lebensmittel werden „importiert“, selbst Fisch – welche Ironie. Mal abgesehen davon, dass der Bauboom sicher schon zwei Drittel der Flora und Fauna zum Opfer gefallen sind. Und was Passiert mit den Tonnen von Abfällen, dem Abwasser….

Es gibt noch schöne Strände, Natur und Ruhe, Unbestritten. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch dort Golfplätze, Helikopterlandeplätze, Hotels oder Strassen gebaut werden.

Jeder Mensch, der Boracay NICHT besucht, ist ein Beitrag zur Erholung der Natur. Und ich meine das wirklich so sehr, dass ich selber seit vielen Jahren nicht mehr nach Boracay Reise. Auch wenn es noch so schmerzt, stelle ich mein Persönliches Vergnügen zurück für Boracay. Ich hoffe, dass viele Menschen meinen Aufruf Lesen und ernst nehmen. Es geht hier nicht um den Bekanntheitsgrad meines Blogs, sondern darum, Boracay zu Retten.

BITTE LASS BORACAY AUS AUF DEINER REISE

Du Kennst Boracay auch von früher oder warst auf deiner letzten Reise dort? dann bin ich gespannt auf deine Geschichte in den Kommentaren

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7 Gedanken zu “BILDERGESCHICHTEN Nummer Zwei – wie 1993 alles Begann

    • Ja leider traurig aber wahr.
      Ich hoffe, dass viele meinem Aufruf folgen. Aber da die Regierung in diesem Business mitmischt sehe ich keine Rosige Zukunft für Boracay.
      Danke für den kommi, liebe Ariane.

  1. Hallo
    Wir waren anfang 2016 dort. Mein Chef erzälte vom dem Paradies vor 35 Jahren.
    Ein paar Bambushütten nur der Bürgermeister fuhr mit dem Mopet durch der einzigen Hauptstraße von Nord nach Süd ca: 6 Km. Na was soll ich sagen, mein Freund dem ich den Himmel auf Erden versprochen hatte wollte mich erschlagen, meine Frau verstand die Welt nicht mehr und ich sah den Strand vor lauter Chinesen nicht mehr. Den Charakter vom Ballermann 6

  2. Hallo Frank
    Dein Chef hatte wohl Recht. Wir denken immer, dass 1993 noch nicht viel Touristen auf Boracay waren, weil ich das Boracay vorher nicht kannte. Aber im Nachhinein hats du leider Recht mit den Touristen. Mich würde mal interessieren, wie dein Chef das vor 35 Jahren empfand
    (das mit den „Touristen“ habe ich verstanden, ist alles gut. Ist ja zum Chinesischen Neujahr wirklich so!)
    LG, Urs

  3. Hallo,
    nachdem ich heute morgen gelesen habe, das Boracay für ein halbes für Touristen gesperrt werden soll, habe ich in Erinnerungen geschwelkt.
    1993: Anreise über Manila Domestic Airport nach Kalibo. Von dort aus mit den jeepneys nach Caticlan ( aufgeweichten Schlammpiste ).
    Haben dort jemanden einen Entwicklungshelfer kennengelernt der uns den Tipp gab bei der Bootsüberfahrt eins zu suchen auf dem viel Schweine drauf sind ( diese würden im Notfall hervorragend schwimmen).
    Danach wie du geschrieben hast, paradiesich.
    Haben im ursprünglichen Nigi Nigi gewohnt.
    Kennst du die kleine Schweizer Bäckerei?
    … schön war’s.

  4. Hallo Bernd
    Den Markus und seine Frau mit seiner Bäckerei an der Mainroad damals war eine Institution. Jeden Morgen frischen Zopf direkt ins Cottage geliefert…einfach unglaublich. Habe auch die ganze Geschichte um Markus mitgekriegt damals. Auch als der Tauchshop niederbrannte und dabei Robby ums Leben kam, traurige Geschichte. Oder den Todesfall des Windsurfers in ManocManoc, die Überschwemmung als halb Boracay nach einem Taifun eine Woche unter Wasser Stand und und und….
    Auf dem Dach der Jeepneys von Kalibo nach Caticlan, um unsere Surfbags festzuhalten wegen den Schlaglöchern und dass die Kleider von der Feuchtigkeit und dem Staub bei Ankunft in Caticlan fest wie Beton waren…Tausende Geschichten, alte Analoge Fotos die davon erzählen. Mann war das eine Geile Zeit. Das mit den Schweinen wusste ich nicht, aber heutzutage gibts ja Schwimmwesten 😉
    Danke für deine Story, schade dass wir uns damals nicht getroffen haben. Gab einige Schweizer damals auf Boracay.
    LG, Urs

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OOPS, da stimmt noch etwas nicht...

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