Zwei Monate einfaches Leben unter Einheimischen – mein Erfahrungsbericht

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In den Philippinen ist das einfache Leben der Einheimischen für 2 Monate meins gewesen. Was ich in dieser Zeit, mitten unter der einheimischen Bevölkerung in einem kleinen Dorf erlebte, erzähle ich dir hier. Das geschehen ist schon einige Jahre her, aber noch sehr gut in Erinnerung, daher schreibe ich diese Story hier aus den Erinnerungen und den wenigen Fotos die ich damals machte als Anhaltspunkte. Die Bilder sind damals noch mit einer einfachen Analogen Kamera entstanden, die Qualität ist nicht die beste, obwohl ich das Maximum mit der Bild Bearbeitung herauskitzelte.

In der kleinen Ortschaft „Sta. Lucia Resettlement“ (weiter unten erkläre ich dir mehr dazu) lernte ich viel vom Philippinischen Alltagsleben. Es war eine Entbehrungsreiche aber auch Lehrreiche Zeit. Aber was heisst schon Entbehrungsreich? Ich als Ausländer verzichtete auf vieles während dieser Zeit. Aber aus der Sicht der Einheimischen gab es alles was zum Leben benötigt wurde. Aber am besten ich beginne von vorne.

Die „Kleine Ortschaft“

Durch Umweltkatastrophen wie Erdbeben, Taifune oder andere werden in den Philippinen immer wieder viele Menschen obdachlos. Sie verlieren alles und haben keine Chance, sich ohne Hilfe wieder ins Leben zurück zu kämpfen. Das Wichtigste in dieser Situation ist ein Dach über dem Kopf für Schutz vor Regen und Sonne. Und hier kommt das „Resettelment“ Projekt der Philippinischen Regierung zum Zug. Als Beispiel nehme ich den Ausbruch des Pinatubo 1991. Damals wurden für die überlebenden kurzfristig Siedlungen aus dem Boden gestampft mit sehr einfachen Behausungen, genannt „Resettlements“.

Haus an Haus, kleine Strassen und keine grossen Infrastrukturen. Wichtig war, die vielen Obdachlosen unterzubringen. Die Philippinische Regierung schenkte diesen Leuten das Land und befreite sie von den Steuern. Diese waren froh um diese Unterkünfte, und mache leben noch immer dort. Die sehr einfachen Behausungen wurden über die Zeit von den Besitzern verschönert, vergrössert, bemalt und Geschmückt. So dass bald nichts mehr an die grauen einheitsbauten in Reih und Glied erinnerte. Geschäfte wurden gegründet, Schulen und Markplätze entstanden. Einige haben ihren Besitz, den Sie von der Regierung erhielten, verkauft und sind weitergezogen. Und genau eine solche „Unterkunft“ war unsere erste „Immobilie“ in den Philippinen.

Als wir 2009 dieses Reihenhäuschen kauften, erinnerte nichts mehr an diesem Ort an die schweren Zeiten von damals. Die „Notunterkünfte“ sind zu kleinen Bunten Häuschen umfunktioniert worden. In den Strassen gibt es Verkaufsstände, Kinder gehen in die Schule und die Erwachsenen gehen morgens Arbeiten und kommen abends nach Hause. Die meisten haben sich ein neues Leben aufgebaut und sind geblieben, fühlen sich wohl dort. Und genau dort, mitten in diesem Gewusel des Philippinischen Lebens, habe ich 2 Monate gelebt.

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Warum ich ein solches Haus kaufte

women-with-notary-signboardEs war die „Kennenlernphase“ meiner Frau Roslayn. Noch waren wir nicht verheiratet, und Sie lebte damals noch in den Philippinen während ich in der Schweiz Arbeitete. Rosalyn lebte damals im Haus ihrer Tante, welche eines Tages Beschloss, das Haus niederzureissen und stattdessen Miet-Appartements zu Bauen. Somit musste Rosalyn kurzfristig eine neue Unterkunft finden. Damals Reiste ich extra für 3 Wochen in die Philippinen um diese Angelegenheit zu Regeln. Geregelt hatten wir es, indem wir eben dieses kleine Reihenhäuschen kauften. Für meine damaligen Finanziellen Verhältnisse konnte ich mir keinen Palast Leisten. Aber für diese Unterkunft Reichte es. Die ganzen Papiere konnten in der Rekordzeit meiner 3 Wochen dort erledigt werden. So konnte ich guten Gewissens wieder nach Hause Fliegen und Rosalyn und die Kids hatten ein Dach über dem Kopf.

Das Praktische war, dass wir von nun an nicht mehr in einem Hotel Unterkommen mussten. Aber was da auf mich zukam für die geplanten 2 Monate Auszeit im darauf folgenden Jahr konnte ich damals noch nicht abschätzen. Das Haus bestand aus 3 Räumen: einer Küche, einem Bad und einem Schlafzimmer. Der kleine Vorplatz konnte man nicht als Zimmer bezeichnen, denn dort pulsierte bereits das Strassenleben. Für Philippinische Verhältnisse vollkommen genügend, sind Sie doch sehr gesellig und kennen kein Privatleben. Für mich aber zumindest am Anfang sehr schwierig.

Zu den Platzverhältnissen kam dazu, dass wir auf 50m2 8 Personen unterbringen mussten für die Dauer meiner Auszeit. Das war eine Herausforderung, die aber typisch Philippinisch gemeistert wurde. Jeweils abends wurde der Küchentisch kurzerhand an die Decke gebunden und Matratzen am Boden verteilt. Voila, Platz für 4 Kinder zum Schlafen. Wir haben das einzige Schlafzimmer erhalten. Die Schwester von Rosalyn und ihr Freund haben auf einer Holzpritsche auf dem Vorplatz geschlafen – geht doch!

Am Tag waren die Kids meist eh auf der Strasse mit den 1000 anderen Kindern am Spielen. So hatten wir genügend Spielraum um Essen vorzubereiten oder Karten zu spielen. Am Liebsten habe ich mich auf dem 5m2 kleinen Vorplatz aufgehalten. Dort traf ab und zu ein Windzug ein und kühlte etwas. Im Haus war es aufgrund der Blechabdeckung auf dem Dach fast unerträglich heiss und Stickig.

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Der Alltag in einem Philippinischen Dorf

Eigentlich wollte ich gerne etwas sehen vom Dorf, vom Leben und was es für Geschäft gibt. Wollte den Markt sehen, mit den Menschen sprechen. Aber meine Familie hat mir davon abgeraten im Dorf herumzulaufen. In der Tat habe ich das trotzdem einmal gemacht, als ich es im Haus nicht mehr aushielt. Ich bin kein Ängstlicher typ, aber als ich so durch die Strassen lief fühlte ich mich beobachtet. Na ja, als einziger Weisser kein Wunder. Aber ich fühlte, dass da mehr war und hatte mich echt unsicher gefühlt in den verwinkelten Strässchen und Gassen. Schliesslich leben diese Menschen von sehr wenig. Das soll kein Vorwurf sein, denn was würden wir in Ihrer Situation machen? Jedenfalls bin ich zurück ins Haus, wo mich alle schon suchten. Und was gibt es sonst noch zu tun?

Fernsehen Fehlanzeige aufgrund fehlenden Empfanges. Und die Streifenkrimis auf Tagalog welche über eine Antenne auf dem Dach gerade so empfangen wurden habe ich mir nicht antun wollen, schon nur meinen Augen zuliebe. Internet ebenso Fehlanzeige. Wohl gab es ein I-net caffee Filipino Style. Aber das was entweder immer besetzt oder der Strom fehlte. Einmal wollte ich es aber probieren und wenigstens meine Mails Lesen. Das hätte aber Stunden gedauert aufgrund des Dial-in Steinzeit Modems das sich die 5 Rechner Teilten. Also auch nix. Karten Spielen war so die einzige Beschäftigung während des Tages, wenn wir zuhause waren. Das hat aber wenigstens grossen Spass gemacht, weil auch die Kids von der Strasse gerne mitspielten.

Toilette und Dusche waren sehr einfach und aufgrund der Hitze immer gut besucht. Der Fensterlose Raum beinhaltete nicht viel mehr als eine Handpumpe und eine Toilette. In der Mitte des Raumes befand sich der Abfluss. Zum Duschen oder zum Spülen der Toilette war also Handarbeit an der Wasserpumpe angesagt. Das hatte aber den Vorteil, dass das Wasser kostenlos war.

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Etwas Zivilisation

Wie du dir sicher denken kannst ist mir nach ein paar Tagen die Decke auf den Kopf gefallen. Na ja, bei 45 Grad innen und 40 Grad Aussentemperatur auch nicht Verwunderlich. In diesen Situationen musste ich einfach raus. Und da das innerhalb des Dorfes nicht möglich war, machte ich mich sehr oft auf den weiten Weg nach Angeles City. Dazu hatte ich den Wagen eines Bruders den ich benutzen durfte, oder auch das Moped das uns gehörte. Der Weg nach AC war kompliziert, Lange und nicht ganz Ungefährlich (bezüglich der Strassenregeln, die in der Provinz noch weniger Beachtung finden). Die Fahrt dauerte je nach Wetter 30 bis 45 Minuten und war anfangs so kompliziert, dass ich die Strecke ohne Führer nicht alleine gefunden hätte. Aber nach ein paar Mal hatte ich die Strecke im Kopf.

Das Problem war der Regen. Die Strassen (eher Felder ohne Bepflanzung) waren mit Schlaglöchern gespickt. Und das Auto, ein Toyoto mit Textilbremse durch das Bodenblech, hatte auch so seine Macken (Scheibenwischer defekt, Scheinwerfer defekt, Platten….) so dass ein Ausflug immer eine Lotterie war. Kommen wir bis Angeles City, und wenn ja, kommen wir wieder Heim! Ok, das Problem mit den Scheibenwischern haben wir elegant gelöst mit einem im Farbraum und an beiden Wischern fixierten Seil.

So konnte mein jeweiliger Beifahrer die Anlage „Manuell“ betätigen, pragmatisch, aber geht 😉 Die Scheinwerfer waren sehr schwach, ohne Regen reichte es gerade so. Bei Regen war es gut dass ich die Strecke schon etwas kannte. Und den Platten hatten wir auch nur, weil schon das Metallgeflecht vom Reifen zu sehen war – hätte mir Auffallen sollen, war mein Fehler. Autofahren ist ein Abenteuer! und so haben wir uns (Oft auch in Begleitung der ganzen Familie) bis Angeles City durchgekämpft und machten dort Einkäufe in den vielen Shoppingtempeln, gingen Billiard Spielen oder einfach in ein Resto um etwas Gutes zu essen oder in die Disko. Ausflüge und Freizeitmöglichkeiten gibt es in Angeles City und Umgebung zur Genüge.

Fazit

Ich will hier ehrlich sein und meine Einschätzung zu diesen 2 Monaten so Objektiv wie möglich halten. Eigentlich fast unmöglich wenn man diese Zeit selber erlebte. Aber es sind doch schon einige Jahre her. Und ich denke, damit haben sich meine Eindrücke auf das reduziert was sie wirklich waren. Deswegen hier eine kleine Tippsammlung, die dir in einer ähnlichen Situation vielleicht als Ratgeber oder Anhaltspunkte dienen kann.

Mein kleiner „wie verhalte ich mich in der Philippinischen Provinz-Guide“

  • Niemals herablassend wirken.
  • Immer freundlich bleiben, auch wenn’s oft schwerfällt. (Ich spreche hier die sprichwörtliche Philippinische Gelassenheit an)
  • Das Gespräch suchen, Filipinos sind Quasseltanten und lieben es über andere zu Quatschen (im Philippinischen Fachjargon nennt man das „tsismoso“ – Ausgesprochen „tschismoso“) Bei uns in Europa eher verpönt, in den Philippinen ein Tägliches Gesprächsthema.
  • Auf das Bauchgefühl und auf die Ratschläge hören. Beides zusammen ergibt ein gesundes Sicherheitsgefühl auf das du dich meist verlassen kannst.
  • Die Leute in der Provinz ticken etwas anders als die Städter. Merkst du sofort wenn du mit ihnen sprichst.

Wow, dieser Bericht sprengt jetzt meine Erwartung. Habe viel mehr geschrieben als geplant. Das zeigt wohl auch, dass es mir Wichtig ist dir diese Geschichte zu erzählen. Würde mich freuen über dein Feedback in den Kommentaren.

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